Kollektive Intelligenz

ein Interview mit Elke und Rainer

von Albert Glossner (Geschäftsführer der abb-seminare)
05.07.2016

kollektive intelligenz

Elke Schlehuber und Rainer Molzahn sind Mitglieder und Akteure im Wandelforum. Einige kennen sie aus dem Workshop „Arbeiten mit sich selbst in Echtzeit“ bei abb-seminare.

[..]Kick-Off Workshop „Kollektive Intelligenz“[..] Ein guter Anlass, um ein Gespräch mit ihnen zu führen, was kollektive Intelligenz ist und wie sie erfahrbar und wirksam wird.

Albert:
Ihr beschäftigt euch ja schon lange mit dem Thema. Was ist denn ‚kollektive Intelligenz‘?

Elke:
Ich finde es schwierig, auf ‚was ist‘ zu antworten. Vielleicht geht es am besten im Sinne einer persönlichen Erfahrung: in manchen Gruppen bin ich klüger als in anderen.

Albert:
Was ist in diesen Gruppen anders?

Elke:
Die Offenheit der Personen und die Art der Gesprächsführung. Ich fühle mich wohl und werde nicht von anderen kritisiert. Es ist, als wenn die Gruppe mit den Gedanken Ping-Pong spielt.

Albert:
Und wenn das Gegenteil stattfindet?

Elke:
Dann herrscht eine Atmosphäre, die dazu führt, dass ich mich innerlich zensiere: unterschwellige Kritik, keine oder nur kritische Resonanz, herabgewürdigt werden, eventuell auch ein starker Wettbewerb um Macht, Rang und Einfluss.

Albert:
Und das hat einen merkbaren Einfluss auf den IQ des Gruppen-Outputs?

Rainer:
Ja, absolut. Die Qualität des gedanklichen Austausches hat einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungen, zu denen eine Gruppe gelangt. Je freier, desto besser. Zu viel Homogenität ist nicht gut, weil zu wenige Unterschiede bedacht werden. Zu viel Heterogenität oft auch nicht, weil sie in Unverbundenheit resultieren kann.

Albert:
Warum liegt euch die Entwicklung von kollektiver Intelligenz so am Herzen?

Elke:
Weil es so nicht weiter gehen kann (lacht). Es macht Spaß, zusammen zu denken, als Teil einer Gemeinschaft, gemeinsam etwas zu bewirken. Die Vereinzelung ist so stark heute. Das führt zu Ohnmachtsgefühlen, und das führt zu Wut und so weiter. Wir können uns entweder gegenseitig ermächtigen oder entmächtigen. Dazwischen gibt es nichts. Diese Wahl können wir bewusst treffen.

Rainer:
Ich möchte das nochmal aufnehmen mit dem‚ --weil es so nicht weitergehen kann--. Ich glaube tatsächlich, dass es so nicht weitergehen kann. Wir stehen als menschliche Gemeinschaft vor globalen Herausforderungen, die es so noch nie gab in unserer Geschichte, und die wir nur kollektiv und hoffentlich klug beantworten können. Das macht es zwingend, Antworten auf die Frage zu finden, wie wir auch im Angesicht der großen Unterschiede zwischen uns gemeinsam schlauer sein können. Wir können uns dieser Frage nicht stellen.

Albert:
[..]Im Herbst (2016 /A.d.R.) gibt es einen Kick-Off Workshop mit euch beiden.[..] Was erwartet die Leute?

Rainer:
In den drei Tagen wollen wir das Spielfeld erkunden, auf dem der Prozess zu kollektiver Intelligenz stattfindet: Was genau ist das Kollektive, wie genau ist es beschaffen, wie sind seine systemischen Gegebenheiten? Und was genau ist die Intelligenz, die sich auf diesem Spielfeld entfalten muss? Welches sind die Merkmale und Dynamiken des gegenseitigen Beeinflussungsprozesses, der zu kollektiver Intelligenz führt und zu Entscheidungen und Aktionen, die in diesem Sinne intelligent sind?

Elke:
Wir werden immer wieder mit dem Hier und Jetzt arbeiten, denn wir sind überzeugt, dass alles, was wir brauchen, bereits da ist und nur darauf wartet, geschöpft zu werden. Uns ist wichtig zu vermitteln und erlebbar zu machen, wie das, was in jedem von uns abläuft, ein unverzichtbarer Kanal ist für das Ganze.

Albert:
Welche Rolle spielen da Konflikte? Bleiben die ausgesperrt?

Rainer:
Konflikte sind wichtig für die Entwicklung der Gemeinschaft. Wie eine Gemeinschaft mit Konflikten umgeht, fördert oder mindert ihre kollektive Intelligenz.

Elke:
In unserem normalen Verständnis gehen wir als Einzelne mit Konflikten um. Neue Möglichkeiten eröffnen sich, wenn wir uns als Kanäle und ‚Agenten‘ des Gesamtprozesses zu verstehen beginnen.

Albert:
Wenn ihr in 3 Sätzen sagen müsstet, was der Gewinn für die Teilnehmenden ist: welche wären das?

Elke:
Besser sortieren können, wie das, was in mir abläuft, mit dem großen Ganzen zusammenhängt, von dem ich ein Teil bin.

Rainer:
Und das dann nutzbar machen für den kollektiven Prozess des Wandels und des Lernens. Das waren jetzt aber nur 2 Sätze …

Albert:
Aber gute. Ich danke euch für das Gespräch.

Elke und Rainer:
Albert, wir danken dir.

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